Wirkstoffe
Auswahlliste
Trizyklische Antidepressiva blockieren die Wiederaufnahme von Noradrenalin und Serotonin an adrenergen Nervenendigungen und wirken über den Anstieg dieser Neurotransmitterstoffe an spezifischen Rezeptoren. Prototyp der trizyklischen Antidepressiva ist das Imipramin mit dem aktiven Metaboliten Desipramin. Chemisch verwandt sind Clomipramin und Trimipramin. Trizyklische Antidepressiva treten aufgrund ihrer hohen Lipidlöslichkeit rasch diaplazentar über.
Indikation: Depression, Zwangsstörungen, Panikstörungen.
Erfahrungen in der Schwangerschaft
Erfahrungsumfang: HOCH
1. Trimenon: Bei manchen Tierspezies erwiesen sich trizyklische Antidepressiva als teratogen. In den 70er und 80er Jahren wurden den klassischen Antidepressiva auch beim Menschen Fehlbildungen zugeordnet, darunter Extremitätenfehlbildungen, Herzfehler und Hypospadien. In einer neueren schwedischen Studie wurde im Gegensatz zu anderen Untersuchungen nach Trizyklika-Einnahme (insbesondere nach Clomipramin) eine leichte Zunahme von Herzfehlbildungen beobachtet. Als Erklärung wird ein inhibitorischer Effekt des Clomipramin auf die Kaliumkanäle des embryonalen Herzens diskutiert. Dieses Ergebnis ist allenfalls als schwaches Signal zu werten, solange es nicht andere Untersucher bestätigen können.
2.-3. Trimenon / Perinatal: Wie bei allen psychotropen Medikamenten wurden auch bei trizyklischen Antidepressiva nach lang andauernder intrauteriner Exposition (bis zur Geburt) bei Neugeborenen Anpassungsstörungen bzw. Entzugssymptome beobachtet. Diese können sich u.a. als Zittrigkeit, Übererregbarkeit und Atemnotsyndrom äußern, Krampfanfälle sind sehr selten.
Empfehlungen zur Schwangerschaft
Planung einer Therapie oder Planung einer Schwangerschaft unter Therapie: Wenn mit trizyklischen Antidepressiva behandelt werden soll, sind Imipramin, Desipramin, Amitriptylin oder Nortriptylin zu bevorzugen. Eine unter Clomipramin stabile Patientin kann angesichts des individuell eher zu vernachlässigenden Risikos (siehe oben) diese Medikation fortsetzen.
Konsequenzen nach Anwendung in der Schwangerschaft: Nach Behandlung mit Clomipramin im ersten Trimenon kann zur Kontrolle der fetalen Entwicklung eine sonographische Feindiagnostik empfohlen werden. Bei Gabe von trizyklischen Antidepressiva bis zur Geburt müssen Anpassungsstörungen beim Neugeborenen bedacht werden. Daher sollte in den ersten Lebenstagen die Beobachtung des Kindes gewährleistet sein und die Entbindung in einer Klinik mit Neonatologie erfolgen. Soweit klinisch vertretbar, kann mit der Patientin eine Reduktion bzw. auch das vorübergehende Absetzen des Antidepressivums vor der Entbindung vereinbart werden. Nach der Entbindung muss dann die Therapie in der erforderlichen Dosis sofort wieder aufgenommen werden.
Besser erprobte Alternativen: bei den trizyklischen Antidepressiva: Amitriptylin, Desipramin, Imipramin, Nortriptylin.
Stillzeit
Pharmakokinetik: HWZ: 21 h (12-36 h), Neugeborene: 92,8 h; Proteinbindung: 96-98%; molare Masse: 351; relative Dosis: 1,3-4%; M/P-Quotient: 0,84-1,62; orale Bioverfügbarkeit: 100%. Im kindlichen Plasma konnten weder Clomipramin noch seine Metaboliten nachgewiesen werden.
Klinik: Es wurden bisher keine Symptome bei gestillten Kindern beschrieben.
Empfehlung: Clomipramin gehört zu den Antidepressiva der Wahl in der Stillzeit.
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