Erläuterung zur "Ampel"

Clobazam

Produktnamen:
  • Frisium ®
  •  

Clobazam

Erläuterung zur "Ampel"

Clobazam

Produktnamen:
  • Frisium ®
  •  

Zentral spannungs-, erregungs- und angstdämpfender Wirkstoff aus der Gruppe der Benzodiazepine mit sedierenden Eigenschaften. Die antikonvulsive Wirkung wird ebenfalls therapeutisch genutzt, wobei eine Langzeittherapie zu Toleranzentwicklung führen kann.

Indikation: Zusatztherapie bei Epilepsie und symptomatische Behandlung von akuten und chronischen Spannungs-, Erregungs- und Angstzuständen.

Erfahrungen in der Schwangerschaft

Erfahrungsumfang: GERING

1. Trimenon: Speziell zu Clobazam gibt es nur wenige Daten, die für eine Risikoabschätzung nicht ausreichen, zumal es sich hauptsächlich um Fälle mit antiepileptischer Kombinationstherapie handelt. Im Gegensatz dazu ist die gesamte Gruppe der Benzodiazepine gut untersucht, wobei die meisten Erfahrungen zu Diazepam bestehen. Hierbei konnten aktuellere Studien mit insgesamt mehreren tausend Exponierten keine teratogenen Effekte nachweisen. Nur in älteren retrospektiven Fall-Kontroll-Untersuchungen wurden schwache, aber statistisch signifikante Assoziationen zwischen Benzodiazepinen und Lippen/ Gaumenspalten, intestinalen Atresien und Mikrozephalie beobachtet. Im Tierversuch mit Clobazam wurden auch unter bereits maternal toxischen Dosen keine fetalen Fehlbildungen beobachtet.

2.-3. Trimenon / Perinatal: In einer Studie mit 21 Schwangeren, die intrapartal mit 20 mg Clobazam oral behandelt wurden, ist ein rascher transplazentarer Übergang festgestellt worden. Keines der Neugeborenen mit messbarem Clobazam-Spiegel zeigte Auffälligkeiten. Erfahrungen mit Benzodiazepinen allgemein zeigen aber, dass bei hochdosierter Gabe unter Geburt oder bei regelmäßiger Einnahme im letzten Trimenon schwerwiegende Symptome beim Neugeborenen möglich sind. Diese reichen von postpartaler Atemdepression über Anpassungsstörungen wie Muskelhypertonie, Hyperreflexie, Tremor bis hin zum wochenlang anhaltenden „Floppy-Infant-Syndrom“ mit Lethargie, Trinkschwäche, Tachypnoe, Tachykardie, Zyanose, Temperaturregulationsstörung und Muskelhypotonie. Neugeborene metabolisieren Benzodiazepine wesentlich langsamer als Erwachsene.

Empfehlungen zur Schwangerschaft

Planung einer Therapie oder Planung einer Schwangerschaft unter Therapie: Im Falle einer antiepileptischen Therapie sind Kombinationen mit Valproinsäure zu vermeiden! Für andere Indikationen gilt, dass Benzodiazepine, auch nach Ausschöpfung aller nichtmedikamentösen Behandlungsmöglichkeiten, immer nur kurzzeitig verordnet werden sollen. Auch aus psychiatrischer Indikation sollte möglichst keine Dauertherapie im letzten Trimenon wegen möglicher neonataler Komplikationen erfolgen. Der Einsatz von schlafanstoßenden und angstlösenden Antidepressiva ist ggf. zu prüfen.

Konsequenzen nach Anwendung in der Schwangerschaft: Im Falle einer erfolgten Behandlung in der Frühschwangerschaft sollte eine Ultraschall-Feindiagnostik zur Bestätigung der normalen Entwicklung durchgeführt werden. Sorgfältige Schwangerschaftsüberwachung und ggf. engmaschige psychiatrische Kontakte, um rechtzeitig Krisen bei der Mutter und Entwicklungskomplikationen beim Feten (Frühgeburtsbestrebungen, Wachstumsretardierung) begegnen zu können. Bei Behandlung bis zur oder bis kurz vor der Geburt auf Symptome beim Kind in ersten Lebenstagen achten. Bei abruptem Absetzen nach längerer Einnahme sind bei Mutter und Kind Entzugssymptome möglich.
Bitte nehmen Sie mit uns Kontakt auf, um individuell das Risiko abzuschätzen und das weitere Vorgehen zu besprechen! Eine individuelle Beratung können Sie über den Online-Fragebogen anfordern. Sie können uns aber auch anrufen. Hier finden Sie Angaben zum Datenschutz. Die Beratung ist für Sie kostenlos.

Besser erprobte Alternativen: Zur sedierenden, angst- bzw. spannungslösenden Akutbehandlung kurzfristig das besser untersuchte Diazepam oder Lorazepam , falls ein Benzodiazepin notwendig ist; zur psychopharmakologischen Dauerbehandlung auch Antidepressiva oder Neuroleptika erwägen und nichtmedikamentöse Behandlungsmöglickeiten in Betracht ziehen. Bei der Epilepsietherapie, falls ausreichend wirksam, Lamotrigin, ggf. auch das Benzodiazepin Clonazepam vorziehen.

Stillzeit

Pharmakokinetik: HWZ: 18 h, Metabolite: 36-80 h (max. 120 h); Proteinbindung: 85-91%; molare Masse: 300; relative Dosis: 10%; M/P-Quotient: 0,3; gastrointestinale Resorption: mindestens 87%.

Klinik: Speziell zu Clobazam liegen keine Erfahrungen vor. Wie bei allen Benzodiazepinen sind Sedierung, Atemdepression und Trinkschwäche möglich.

Empfehlung: Stillen unter (kurzzeitiger) Monotherapie und moderater Dosierung bei guter Beobachtung des Kindes akzeptabel. Möglichst Alternativen bevorzugen. Falls beim gestillten Kind anders nicht erklärbare Symptome wie Sedierung, Trinkschwäche, Atemdepression oder Unruhe neu auftreten, sollten ein Kinderarzt und unsere Einrichtung kontaktiert werden.

Wir brauchen Ihre Angaben und beraten Sie individuell

Da an Schwangeren grundsätzlich keine randomisierten Studien durchgeführt werden dürfen, beruhen Kenntnisse zur Sicherheit von Medikamenten und letztlich auch die Qualität dieser Internetseite auf der Auswertung von klinischen Erfahrungen.

Daher bitten wir Sie, wenn Sie diese Internetseite wegen einer konkreten Schwangerschaft lesen, uns Einzelheiten zu dieser Schwangerschaft einschließlich der verwendeten Medikamente mitzuteilen. Sie können dafür unseren Online-Fragebogen verwenden oder uns anrufen.

Auf diesem Wege können wir Sie auch individuell beraten, wenn Sie dies wünschen.

Hier finden Sie Angaben zum Datenschutz.

Die Beratung ist kostenlos.