Erläuterung zur "Ampel"

Carbamazepin

Produktnamen:
  • Carbabeta ®
  • Finlepsin ®
  • Tegretal ®
  • Timonil ®
  •  

Carbamazepin

Erläuterung zur "Ampel"

Carbamazepin

Produktnamen:
  • Carbabeta ®
  • Finlepsin ®
  • Tegretal ®
  • Timonil ®
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Carbamazepin weist strukturelle Ähnlichkeit mit den trizyklischen Antidepressiva auf. Die antikonvulsive Wirkung ist ähnlich wie bei anderen Antiepileptika über eine membranstabilisierende Wirkung zu erklären. Carbamazepin erreicht im Fetus 50–€œ80% der mütterlichen Konzentration. Während der Schwangerschaft bleiben die Konzentrationen von proteingebundenem und freiem Wirkstoff relativ stabil. Zu weiteren pharmakologischen Eigenschaften und Interaktionen mit Kontrazeptiva siehe unter Epilepsie.

Indikation: Epilepsie, Phasenprophylaxe bei manisch-depressiven Erkrankungen, Trigeminusneuralgie

Erfahrungen in der Schwangerschaft

Erfahrungsumfang: HOCH

1. Trimenon: Carbamazepin wirkt wie die anderen klassischen Antiepileptika nicht nur im Tierversuch, sondern auch beim Menschen teratogen. Ein spezifisches Carbamazepin-Syndrom wurde Ende der 80er-Jahre postuliert, das Epikanthus, antimongoloide Lidachse, kurze Nase, langes Philtrum, Hypoplasie der Endphalangen, Mikrozephalie und Entwicklungsretardierung umfasste. Andere Untersucher konnten die Spezifität dieser Auffälligkeiten nicht bestätigen. Fehlbildungen, die im Zusammenhang mit Carbamazepin vermehrt beschrieben wurden, betreffen Herz und Extremitäten, Hüftanomalien, Inguinalhernien, Gaumenspalten und Hypospadien. Sie ähneln den Wirkungen von Phenytoin und Phenobarbital. Typisch für Carbamazepin ist wie bei Valproinsäure das erhöhte Risiko für Neuralrohrdefekte. Insbesondere die Meningomyelozele (Spina bifida) im Lumbalbereich tritt unter Carbamazepin etwa 10-mal häufiger auf, d.h. bei etwa einem von 100 exponierten Feten. Die Gesamtfehlbildungsrate unter Carbamazepin-Monotherapie beträgt jedoch höchstens das Zweifache des Hintergrundsrisikos, nach neueren Untersuchungen wird nur eine geringfügige Erhöhung für die Rate großer Fehlbildungen angnommen. D.h. über 90 von 100 pränatal exponierten Kindern haben keine Fehlbildungen. Auch ließen sich im Gegensatz zur Valproinsäure keine Hinweise auf mentale Entwicklungsrisiken, z.B. den IQ betreffend, erhärten.

2.-3. Trimenon / Perinatal: Wie bei allen ZNS-aktiven Medikamenten muss bei Langzeitbehandlung mit Carbamazepin bis zur Geburt mit (meist leichten) Anpassungsstörungen beim Neugeborenen gerechnet werden. Einzelne Berichte beschreiben vorübergehende lebertoxische Veränderungen bei pränatal exponierten Säuglingen. Carbamazepin gehört zu den Enzym-induzierenden Arzneimitteln, die eine Verminderung der Vitamin-K-abhängigen Gerinnungsfaktoren beim Neugeborenen induzieren können.

Empfehlungen zur Schwangerschaft

Planung einer Therapie oder Planung einer Schwangerschaft unter Therapie: Da Carbamazepin teratogen ist, sollte die Behandlungsindikation bei Planung einer Schwangerschaft sehr kritisch geprüft - und ggf. die Dosis reduziert oder, wenn möglich, die Therapie auf Lamotrigin umgestellt werden. Carbamazepin sollte möglichst nur als Monotherapie verordnet werden. Kombinationen mit Valproinsäure sind zu vermeiden. Da Carbamazepin ein Folatantagonist ist, sollte zuverlässig ab Planung der Schwangerschaft bis Woche 10 täglich 0,8 mg Folsäure eingenommen werden. Bei psychiatrischen Behandlungsindikationen und neuropathischen Schmerzen sollte Carbamazepin nicht verwendet - und statt dessen etablierte Psychopharmaka oder im Rahmen einer Schmerztherapie andere Analgetika bevorzugt werden. 

Konsequenzen nach Anwendung in der Schwangerschaft: Eine stabil eingestellte Patientin sollte ihre Therapie mit Carbamazepin beibehalten, allerdings muss die Dosis geprüft und, wenn noch nicht geschehen, auf mehrere Einzeldosen verteilt werden. Nach Therapie im 1. Trimenon sollte eine sonographische Feindiagnostik zur Kontrolle der fetalen Entwicklung empfohlen werden, um Neuralrohrdefekte und andere Fehlbildungen auszuschließen. Die Entbindung sollte in einer Klinik mit Neonatologie erfolgen. Aufgrund des Vitamin K-Antagonismus von Carbamazepin muss die effektive Vitamin K-Gabe an das Kind unmittelbar nach der Geburt sichergestellt sein; dies ist durch eine parenterale Verabreichung am besten gewährleistet. 
Bitte nehmen Sie mit uns Kontakt auf, um individuell das Risiko abzuschätzen und das weitere Vorgehen zu besprechen. Eine individuelle Beratung können Sie über den Online-Fragebogen anfordern. Sie können uns aber auch anrufen. Hier finden Sie Angaben zum Datenschutz. Die Beratung ist für Sie kostenlos.

Besser erprobte Alternativen: Lamotrigin, falls wirksam.

Stillzeit

Pharmakokinetik: HWZ: 18-65 h, Metabolite: 9-17 h; Proteinbindung: 75%; molare Masse: 236; relative Dosis: 3-8%; Anteil einer therapeutischen Säuglings-(Erhaltungs-)dosis von 20 mg/kg/d: ca. 3%; M/P-Quotient: 0,5; orale Bioverfügbarkeit: bis 100%.

Klinik: Die unter Monotherapie gestillten Kinder sind i.A. unauffällig. Die Serumkonzentration beim Kind liegt meist deutlich unter einem Drittel der therapeutischen Werte. Einzelne Berichte beschreiben vorübergehende lebertoxische Veränderungen bei pränatal und über die Muttermilch exponierten Säuglingen.

Empfehlung: Stillen unter Monotherapie ist akzeptabel. Ggf. kann nach etwa 2-3 Wochen, vor allem aber bei anders nicht zu erklärender Symptomatik, die Arzneikonzentration beim Kind bestimmt werden.

Wir brauchen Ihre Angaben und beraten Sie individuell

Da an Schwangeren grundsätzlich keine randomisierten Studien durchgeführt werden dürfen, beruhen Kenntnisse zur Sicherheit von Medikamenten und letztlich auch die Qualität dieser Internetseite auf der Auswertung von klinischen Erfahrungen.

Daher bitten wir Sie, wenn Sie diese Internetseite wegen einer konkreten Schwangerschaft lesen, uns Einzelheiten zu dieser Schwangerschaft einschließlich der verwendeten Medikamente mitzuteilen. Sie können dafür unseren Online-Fragebogen verwenden oder uns anrufen.

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