Erläuterung zur "Ampel"

Bromazepam

Produktnamen:
  • Bromazanil ®
  • Gityl ®
  • Lexostad ®
  • Lexotanil ®
  • neo OPT ®
  • Normoc ®
  • und Generika

Bromazepam

Erläuterung zur "Ampel"

Bromazepam

Produktnamen:
  • Bromazanil ®
  • Gityl ®
  • Lexostad ®
  • Lexotanil ®
  • neo OPT ®
  • Normoc ®
  • und Generika

Zentral muskelrelaxierender, spannungs-, erregungs- und angstdämpfender Wirkstoff aus der Gruppe der Benzodiazepine mit sedierenden und antikonvulsiven Eigenschaften.

Indikation: Symptomatische Behandlung von akuten und chronischen Spannungs-, Erregungs- und Angstzuständen sowie dadurch bedingten Schlafstörungen.

Erfahrungen in der Schwangerschaft

Erfahrungsumfang: GERING

1. Trimenon: Speziell zu Bromazepam fand eine kleine Studie einen Zusammenhang mit Fehlbildungen des Urogenitaltraktes. Diese Beobachtung beruht jedoch nur auf fünf Fällen, die eine abschließende Risikobeurteilung nicht erlauben. Im Gegensatz dazu ist die gesamte Gruppe der Benzodiazepine gut untersucht, wobei die meisten Erfahrungen zu Diazepam vorliegen. Hierbei konnten aktuellere Studien mit insgesamt mehreren tausend Exponierten keine teratogenen Effekte nachweisen. Nur in älteren retrospektiven Fall-Kontroll-Untersuchungen wurden schwache, aber statistisch signifikante Assoziationen zwischen Benzodiazepinen und Lippen-/Gaumenspalten, intestinalen Atresien und Mikrozephalie beobachtet. Im Tierversuch mit Bromazepam wurde keine Teratogenität beobachtet.

2.-3. Trimenon / Perinatal: Bei regelmäßiger Einnahme im letzten Trimenon oder hochdosiert unter der Geburt sind schwerwiegende Symptome beim Neugeborenen möglich. Diese reichen von postpartaler Atemdepression über Anpassungsstörungen wie Muskelhypertonie, Hyperreflexie, Tremor bis hin zum wochenlang anhaltenden „Floppy-Infant-Syndrom“ mit Lethargie, Trinkschwäche, Tachypnoe, Tachykardie, Zyanose, Temperaturregulationsstörung und Muskelhypotonie. Neugeborene metabolisieren Benzodiazepine wesentlich langsamer als Erwachsene.

Empfehlungen zur Schwangerschaft

Planung einer Therapie oder Planung einer Schwangerschaft unter Therapie: Benzodiazepine sollten, auch nach Ausschöpfung aller nichtmedikamentöser Behandlungsmöglichkeiten, immer nur kurzzeitig verordnet werden; keine Dauertherapie im letzten Trimenon wegen möglicher neonataler Komplikationen. Ggf. Möglichkeit des Einsatzes von schlafanstoßenden und angstlösenden Antidepressiva prüfen.

Konsequenzen nach Anwendung in der Schwangerschaft: Im Falle einer erfolgten Behandlung in der Frühschwangerschaft sollte eine Ultraschall-Feindiagnostik zur Bestätigung einer normalen fetalen Entwicklung durchgeführt werden. Sorgfältige Schwangerschaftsüberwachung und ggf. engmaschige psychiatrische Kontakte, um rechtzeitig Krisen bei der Mutter und Entwicklungskomplikationen beim Feten (Frühgeburtsbestrebungen, Wachstumsretardierung) begegnen zu können. Bei Behandlung bis (kurz vor der) Geburt auf Symptome beim Kind in ersten Lebenstagen achten. Bei abruptem Absetzen nach längerer Einnahme sind bei Mutter und Kind Entzugssymptome möglich.
Bitte nehmen Sie mit uns Kontakt auf, um individuell das Risiko abzuschätzen und das weitere Vorgehen zu besprechen! Eine individuelle Beratung können Sie über den Online-Fragebogen anfordern. Sie können uns aber auch anrufen. Hier finden Sie Angaben zum Datenschutz. Die Beratung ist für Sie kostenlos.

Besser erprobte Alternativen: Zur sedierenden und angst- bzw. spannungslösenden Akutbehandlung kurzfristig das besser untersuchte Diazepam oder Lorazepam, falls ein Benzodiazepin notwendig ist. Zur Dauerbehandlung Antidepressiva oder Neuroleptika erwägen. Auch nichtmedikamentöse Behandlungsmöglichkeiten, z.B. Psychotherapie in Betracht ziehen.

Stillzeit

Pharmakokinetik: HWZ: 15-28 h; Proteinbindung: 70%; molare Masse: 316; gastrointestinale Resorption: 85%; orale Bioverfügbarkeit: 60%.

Klinik: In einem publizierten Fallbericht wurde Bromazepam mit dem plötzlichen Kindstod eines vier Wochen alten, bereits atemüberwachten und teilgestillten Säuglings in Verbindung gebracht. Der Bromazepam-Plasmaspiegel des Kindes lag innerhalb des therapeutischen Bereiches. Es werden jedoch keine Angaben zur mütterlichen Dosis oder weiteren Medikation von Mutter und Kind gemacht, sodass ein Zusammenhang nicht sicher angenommen werden kann. Wie bei allen Benzodiazepinen sind Sedierung, Atemdepression und Trinkschwäche möglich.

Empfehlung: Stillen unter (kurzzeitiger) Monotherapie und moderater Dosierung bei guter Beobachtung des Kindes akzeptabel. Falls beim gestillten Kind anders nicht erklärbare Symptome wie Sedierung, Trinkschwäche, Atemdepression oder Unruhe neu auftreten, sollten ein Kinderarzt und unsere Einrichtung kontaktiert werden. Als Dauertherapie sollten Behandlungsalternativen, z.B. Verhaltenstherapie oder Antidepressiva, gesucht werden.

Wir brauchen Ihre Angaben und beraten Sie individuell

Da an Schwangeren grundsätzlich keine randomisierten Studien durchgeführt werden dürfen, beruhen Kenntnisse zur Sicherheit von Medikamenten und letztlich auch die Qualität dieser Internetseite auf der Auswertung von klinischen Erfahrungen.

Daher bitten wir Sie, wenn Sie diese Internetseite wegen einer konkreten Schwangerschaft lesen, uns Einzelheiten zu dieser Schwangerschaft einschließlich der verwendeten Medikamente mitzuteilen. Sie können dafür unseren Online-Fragebogen verwenden oder uns anrufen.

Auf diesem Wege können wir Sie auch individuell beraten, wenn Sie dies wünschen.

Hier finden Sie Angaben zum Datenschutz.

Die Beratung ist kostenlos.