Erläuterung zur "Ampel"

Betamethason

Produktnamen:
  • Betnesol ®
  • Celestamine ®
  • Celestan ®
  • Diprosone ®
  • und Generika 

Betamethason

Erläuterung zur "Ampel"

Betamethason

Produktnamen:
  • Betnesol ®
  • Celestamine ®
  • Celestan ®
  • Diprosone ®
  • und Generika 

Betamethason ist ein monofluoriertes Glucocorticoid, das eine etwa 25-fach stärkere antientzündliche Wirkung als das natürliche Nebennierenrindenhormon Cortisol besitzt. Die mineralokortikoide Wirkungskomponente fehlt dagegen fast vollkommen. Die entzündungshemmenden, immunsuppressiven und antiproliferativen Effekte werden unter anderem durch verringerte Bildung, Freisetzung und Aktivität von Entzündungsmediatoren hervorgerufen. Betamethason kann lokal und systemisch, z.B. oral, intravenös oder intramuskulär angewandt werden. Es ist gut plazentagängig. 

Indikation: (Auswahl) Schwerer akuter Asthmaanfall, Induktion der Lungenreife bei drohender Frühgeburt zwischen der 24. und 34. SSW, interstitielle Aspirationspneumonie, Hautkrankheiten wie Erythrodermie, Pemphigus vulgaris, akute Ekzeme, Psoriasis. Zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen wie systemischer Lupus erythematodes, Systemvaskulitiden wie Panarteriitis nodosa, aktiver rheumatoider Arthritis mit schwerer progredienter Verlaufsform, juveniler idiopathischer Arthritis mit schwerer systemischer Verlaufsform (Still Syndrom) oder mit lokal nicht beeinflussbarer Iridozyklitis, rheumatischem Fieber mit Karditis. Zur Prophylaxe und Therapie von postoperativem und/oder Zytostatika-induziertem Erbrechen im Rahmen antiemetischer Schemata. Rektal zur Behandlung bei linksseitiger Colitis ulcerosa.

Erfahrungen in der Schwangerschaft

Erfahrungsumfang: HOCH (für Glucocorticoide als Gruppe)

1. Trimenon: Eine Metaanalyse aller bisher veröffentlichten Studien ergibt eine Assoziation zwischen Glucocorticoiden und Spaltbildungen (Gaumenspalten mit oder ohne Lippenbeteiligung) bei nicht erhöhter Gesamtfehlbildungsrate. In mehreren neuen Untersuchungen wurde kein erhöhtes Risiko für Spaltbildungen nach Steroidmedikation im ersten Trimenon gesehen. Insgesamt ist ein leicht erhöhtes Risiko für Gaumenspalten nicht auszuschließen, wenn während der sensiblen Phase zwischen Schwangerschaftswoche acht und elf behandelt wird. Obwohl sich keine sichere Dosis angeben lässt, ist das individuelle Risiko bei 10 mg bis 15 mg/Tag Prednisolon extrem gering, dies entspricht in etwa einer Betamethasondosis von 1,5 bis 2,25 mg. Im Gegensatz zu Prednisolon/Prednison ist Bethamethason allerdings besser plazentagängig.

2.-3. Trimenon / Perinatal: In Abhängigkeit von Therapiedauer, Dosis und Indikation kann es bei Behandlung mit Glucocorticoiden zur intrauterinen Wachstumsretardierung (IUGR), zur Frühgeburt sowie zur vorübergehenden Hypoglykämie, Hypotonie und Elektrolytstörungen beim Neugeborenen kommen. IUGR und geringes Geburtsgewicht können in einigen Fällen jedoch auch Folge der zugrunde liegenden mütterlichen Erkrankung sein. Eine Betamethason-Therapie zur fetalen Lungenreife-Induktion führt zur Steigerung der Überlebensrate der Frühgeborenen. Hirnblutungen treten bei den Kindern seltener auf. Eine Neugeborenensepsis tritt entgegen einzelner Mitteilungen nach fetaler Lungenreife-Induktion nicht gehäuft auf. Vergleiche zwischen Betamethason und Dexamethason zur fetalen Lungenreifeinduktion führten zu dem Ergebnis, dass Betamethason eine größere Wirksamkeit bezüglich der Lungenreifeinduktion hat als Dexamethason und die neurophysiologische Entwicklung des Feten weniger beiträchtigt. Außerdem scheint ein geringeres Risiko für eine zystische periventrikuläre Leukomalazie bei extrem Frühgeborenen zu bestehen. Zur Zeit wird ein einmaliger antenataler Betamethason-Zyklus (d.h. 2x 12 mg i.m. im Abstand von 24h) von den Fachgesellschaften empfohlen, weil darunter seltener Wachstumsretardierungen bei den Neugeborenen gesehen wurden. Aufgrund von neueren Studienergebnissen wird dieses Vorgehen jedoch wieder kontrovers diskutiert.

Empfehlungen zur Schwangerschaft

Planung einer Therapie oder Planung einer Schwangerschaft unter Therapie: Bei entsprechender Indikationsstellung darf eine systemische oder lokale Behandlung mit Betamethason auch während der Schwangerschaft durchgeführt werden. Wenn es therapeutisch möglich ist, sollte die Erhaltungsdosis zwischen Woche acht und elf möglichst 2,25 mg/Tag nicht überschreiten. Notfallbehandlungen und die Therapie einer akuten Krankheitsexazerbation unterliegen keinen Dosisbeschränkungen. Bei drohender Frühgeburt zwischen der 24. und der 34. Schwangerschaftswoche ist ein einmaliger Betamethason-Zyklus zur Lungenreife-Induktion indiziert. Empfohlen wird die i.m. Injektion von 2 x 12 mg Betamethason im Abstand von 24 Stunden. Eine routinemäßige Wiederholung wird nicht empfohlen.

Konsequenzen nach Anwendung in der Schwangerschaft: Bei einer selten erforderlichen höher dosierten Behandlung über viele Wochen sollte das fetale Wachstum sonographisch kontrolliert werden. Dauert die Therapie bis zur Geburt, muss eine Nebenniereninsuffizienz des Neugeborenen bedacht und ggf. behandelt werden.

Besser erprobte Alternativen: Keine zur Lungenreife-Induktion. Für eine systemische Therapie während der Schwangerschaft sind Prednison und Prednisolon Mittel der Wahl.

Stillzeit

Pharmakokinetik: HWZ: 5 h; Proteinbindung: 58-70%; molare Masse: 392; orale Bioverfügbarkeit: 100%.

Klinik: Es gibt keine dokumentierten Erfahrungen zur Anwendung von Betamethason in der Stillzeit, allerdings auch keine Berichte über Symptome beim gestillten Säugling.

Empfehlung: Corticoide der Wahl für eine systemische Behandlung in der Stillzeit sind Prednisolon, Prednison und Methylprednisolon. Wirkungsgleiche Mengen von Betamethason sind wahrscheinlich auch verträglich. Lokale Corticoidanwendungen werden als unbedenklich angesehen.

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