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Erläuterung zur "Ampel"

Azathioprin

Produktnamen:

  • Azafalk ®
  • Azamedac ®
  • Colinsan ®
  • Imurek ®
  • Zytrim ®
  • ... und Generika

Azathioprin (AZA) ist ein zur Immunsuppression genutzter Antimetabolit, ein Pro-Pharmakon, das zu mehr als 80% zum biologisch inaktiven  6-Mercaptopurin (6-MP) metabolisiert wird. Dieses wird wiederum in den aktiven Metaboliten 6-Thioguaninnucleotid (6-TGN) umgewandelt. AZA wird mit 46% oral besser resorbiert als 6-Mercaptopurin (16%). Seine Wirkungsweise ist dosisabhängig: höhere Dosierungen wirken cytotoxisch, niedrigere, wie bei Autoimmunerkrankungen, immunsuppressiv. Der plazentare Übergang von AZA und 6-MP ist zu vernachlässigen, 6-TGN dagegen wurde in mütterlichen und fetalen Erythrozyten in vergleichbaren Konzentrationen gefunden.

Indikation: Zur Vorbeugung der Abstoßreaktion nach allogener Organtransplantation, bei schweren Autoimmunerkrankungen wie z.B. rheumatoider Arthritis, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, systemischem Lupus erythematodes, Multipler Sklerose und Myasthenia gravis.

Erfahrungen in der Schwangerschaft

Erfahrungsumfang: HOCH

1. Trimenon: AZA wirkte in einigen Tierspezies in hoher parenteraler Dosis teratogen. Annähernd 40 Studien bzw. Fallserien mit insgesamt mehr als 1500 Schwangeren, die AZA in immunsuppressiver Dosierung per os eingenommen hatten, ließen kein teratogenes Risiko erkennen. Das in einer Untersuchung mit Daten aus dem schwedischen Geburtsregister beobachtete leicht erhöhte Risiko für Ventrikel- und Vorhofseptumdefekte - bei statistisch nicht signifikant erhöhter Gesamtfehlbildungsrate - konnte durch andere Studien bisher nicht bestätigt werden.

2.-3. Trimenon / Perinatal: Verschiedentlich wurde ein niedrigeres Geburtsgewicht und eine höhere Frühgeburtlichkeit beobachtet. Zweierlei ist dabei zu bedenken: Zum einen wird AZA in der Regel nicht alleine verordnet, sondern zusammen mit Glucocorticoiden, die auch eine fetale Wachstumsrestriktion begünstigen können. Zum anderen liegt häufig eine schwere Grunderkrankung der Schwangeren vor, die ihrerseits ein geringeres Geburtsgewicht und Frühgeburtlichkeit bedingen kann, insbesondere dann, wenn während der Schwangerschaft ein Schub auftritt oder eine hohe Krankheitsaktivität gegeben ist. Selten wurden bei Neugeborenen von organtransplantierten Müttern Leukozytopenie, Anämie oder Thrombozytopenie beschrieben. Dagegen wurden in zwei Untersuchungen mit Müttern, die aufgrund von Autoimmunerkrankungen mit AZA (in der Regel in niedrigerer Dosis) behandelt worden waren, keine Auswirkungen der intrauterinen Medikation auf das Immunsystem des Kindes gefunden.

Empfehlungen zur Schwangerschaft

Planung einer Therapie oder Planung einer Schwangerschaft unter Therapie: AZA darf bei entsprechender Indikation verordnet werden. Eine stabil auf AZA eingestellte Patientin sollte nicht umgestellt werden.

Konsequenzen nach Anwendung in der Schwangerschaft: Nach Exposition im 1. Trimenon sollte sicherheitshalber eine weiterführende Ultraschalluntersuchung angeboten werden. Bei langfristiger Einnahme ist eine sonographische Kontrolle des fetalen Wachstums zu empfehlen.  Bei einer Leukopenie der Schwangeren im 3. Trimenon sollte, wenn möglich, die AZA-Dosis verringert werden und eine Blutbildkontrolle beim Neugeborenen erfolgen.

Besser erprobte Alternativen: Glucocorticoide wie z.B. Prednisolon.

Stillzeit

Pharmakokinetik: HWZ: 4,5 h, aktiver Metabolit: 3-13 Tage; Proteinbindung: 30%; molare Masse: 277; relative Dosis: 0,09%; orale Bioverfügbarkeit: 46%.

Klinik: Symptome bei voll gestillten Säuglingen nach mütterlicher Azathioprin-Einnahme in der Stillzeit wurden in der Regel nicht  beobachtet. Dazu liegen inzwischen eine Reihe von Fallberichten- und serien vor, in denen zum Teil auch die Konzentration des Metaboliten 6-MP in der Muttermilch bestimmt wurde. Dabei fanden sich allenfalls geringe Konzentrationen. Lediglich bei einem Kind wurde eine vorübergehende Funktionsstörung des Knochenmarks gesehen. Ein Zusammenhang erscheint dann denkbar, wenn der seltene, genetisch bedingte Mangel der Thiopurin-Methyltransferase bei diesem Säugling vorläge. Genauere Angaben dazu gab es in der knappen Fallbeschreibung jedoch nicht.

Empfehlung: Eine AZA-Therapie und volles Stillen schließen sich nicht aus. Im Einzelfall kann bei entsprechenden Verdachtsmomenten eine Blutbildkontrolle beim Kind indiziert sein. Der Kinderarzt sollte über die mütterliche Medikation informiert sein.

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