Hormonelle Aspekte bei Angststörungen

Bei Angststörungen sind ebenso wie bei affektiven Störungen (Depressionen, Manien) Einflüsse des Menstruationszyklus und einer Schwangerschaft zu beobachten. Patientinnen mit Angststörungen geben auf Befragen nicht selten solche Zusammenhänge an –€œ wie etwa eine Verschlechterung ihrer Angstsymptomatik in der zweiten Zyklushälfte, Beginn einer Störung in der Schwangerschaft oder nach der Entbindung.

Geschlechtsspezifische Aspekte

Aus Bevölkerungsuntersuchungen ist bekannt, dass - ebenso wie bei Depressionen - Frauen etwa zweimal häufiger als Männer von Angsterkrankungen betroffen sind und dass darüber hinaus Symptomatik, Verlauf und Langzeitprognose bei diesen Störungen erhebliche Geschlechtsunterschiede aufweisen.Für diese Unterschiede in der Häufigkeit und im Verlauf von Angststörungen sind wahrscheinlich ebenso wie bei den affektiven Störungen eine Vielzahl von Faktoren verantwortlich, unter anderem genetische Faktoren, traumatisierende Erfahrungen in der Vorgeschichte, die psychosoziale Situation, Unterschiede bei der Inanspruchnahme von Therapieangeboten zwischen Frauen und Männern sowie unterschiedliche Herangehensweisen und therapeutische Strategien der behandelnden Ärzte. Es zeigt sich jedoch immer wieder, dass auch hormonelle Faktoren für solche Unterschiede relevant sind, und zwar ebenfalls in vielfältiger Hinsicht: Veränderungen der Symptomatik im Verlauf des Menstruationszyklus, während der Schwangerschaft, nach der Entbindung und in den Wechseljahren oder unter Einnahme synthetischer Hormone („Pille“, Hormonsubstitution in den Wechseljahren). Bei Panikstörungen ist offenbar in ähnlicher Weise wie bei den Depressionen das Serotonin-System des Gehirns involviert, und es gibt ebenfalls vielfältige Hinweise darauf, dass Östrogene auf dieses System einen Einfluss haben.

Auch wenn es für keinen dieser Aspekte umfassende Untersuchungen unter kontrollierten Bedingungen gibt, sprechen folgende Beobachtungen für einen Zusammenhang zwischen hormoneller Situation u

  • Einige Frauen nehmen zyklusgebundene Verschlechterungen ihrer Angstsymptomatik wahr, und zwar besonders prämenstruell (zweite Zyklushälfte).
  • Vom Neuauftreten bzw. einer Verschlechterung der Angstsymptomatik unter der Einnahme von hormonellen Verhütungsmitteln („Pille“) wird in Einzelfällen berichtet.
  • Während einer Schwangerschaft kann es sowohl zur Ersterkrankung als auch zur Veränderung der Symptomatik kommen (Verbesserung, vollständiges Abklingen, aber auch Verschlechterung der Angstsymptome).
  • Auch nach einer Entbindung ist das Neuauftreten oder die Verschlechterung einer bestehenden Angsterkrankung möglich. Insgesamt ist im Vergleich mit der Schwangerschaft vermehrt mit dem Auftreten von psychischen Störungen zu rechnen. Panikattacken sind nicht selten auch Symptom einer postpartalen Depression.
  • Im Rahmen von Wechseljahrsymptomen kommen auch Ängstlichkeit und Anspannung häufig vor. Durch Hormongabe zeigt sich diesbezüglich eine gute Beeinflussbarkeit.
  • In Einzelfällen wurde auch über das Auftreten von Panikattacken unter Hormongabe in den Wechseljahren oder wegen einer Endometriose berichtet.
  • Bei Frauen mit nächtlichen Schweißausbrüchen und Angstattacken ist neben der Frage, ob es sich um (eventuell auch vorzeitige) Wechseljahrssymptome handelt, auch an die Diagnose „Panikstörung“ zu denken. Die bei Panikattacken auftretende vegetative Begleitsymptomatik (Herzrasen, Schweißausbrüche) kann leicht mit klimakterischen Beschwerden verwechselt werden, besonders wenn die Panikattacken aus dem Schlaf heraus auftreten.