Sicherheit von TNF-alpha-Hemmstoffen in der Schwangerschaft. Eine prospektive multizentrische Beobachtungsstudie

Rheumatische und chronisch entzündliche Erkrankungen treten nicht selten bei jüngeren Frauen auf, z.B. die rheumatoide Arthritis, die Spondylitis ankylosans, die Psoriasis-Arthritis und chronisch entzündliche Darmerkrankungen. Die sogenannten TNF-α-Hemmstoffe, die zu den Basistherapeutika oder auch zu den krankheitsmodifizierenden Arzneistoffen (DMARD=disease-modifying antirheumatic drugs) gehören, haben zunehmend an Bedeutung gewonnen. Die fünf derzeit zugelassenen TNF-α-Hemmstoffe sind

Die Zulassung dieser fünf zu den Biologika zählenden Arzneistoffe schließt allerdings die Behandlung Schwangerer aus. Dennoch kommt es zu Anwendungen in der Schwangerschaft, entweder weil diese ungeplant eingetreten ist oder weil sich die Krankheit während der Schwangerschaft akut verschlechtert hat. Im Gegensatz zu den herkömmlichen DMARDs weisen die TNF-α-Hemmstoffe einen wesentlich schnelleren Wirkungseintritt auf. 

Mit dieser Studie möchten wir untersuchen, 

  • ob eine mütterliche Therapie mit TNF-α-Hemmstoffen während des 1. Trimenon vermehrt zu kindlichen Fehlbildungen führt oder das Fehlgeburtsrisiko erhöht. Die vorliegenden Erfahrungen, die hauptsächlich auf Adalimumab, Etanercept und Infliximab beruhen, sprechen nicht dafür. Allerdings reicht die Datenlage nicht aus, um die Sicherheit dieser Medikamente zu belegen. (Studienteil 1)
  • ob eine mütterliche Therapie mit TNF-α-Hemmstoffen in der späteren Schwangerschaft - das heißt in dem Zeitfenster von der 20. Woche bis zur Geburt - einen Einfluss auf die kindliche Entwicklung oder Gesundheit im 1. Lebensjahr hat. Auch dafür gibt es bisher keinen hinreichenden Anhalt. Es ist allerdings bekannt, dass die fünf TNF-α-Hemmstoffe in der späteren Schwangerschaft zunehmend über die Plazenta (Mutterkuchen) zu dem ungeborenen Kind übergehen. Der Anteil, der das Ungeborene erreicht, unterscheidet sich jedoch zum Teil deutlich zwischen den Substanzen. (Studienteil 2)

In beiden Studienteilen werden die Schwangerschaften mit TNF-α-Hemmstoffen Vergleichsgruppen ohne eine solche Therapie gegenübergestellt. 

Um eine möglichst große Anzahl von Schwangerschaften in die Studie mit einzubeziehen und so die Aussagekraft erhöhen zu können, wurden andere teratologische Beratungszentren, die wie wir Teil des europäischen Netzwerks ENTIS sind, zur Teilnahme eingeladen. Die Rekrutierung für den ersten Studienteil ist abgeschlossen, die Auswertung erfolgt. Die Ergebnisse wurden 2015 im British Journal of Clinical Pharmacology veröffentlicht.

Die Rekrutierung für den Studienteil 2 läuft noch. Wir laden Schwangere und Mütter, deren Kinder noch nicht älter als zwei Monate sind, ein, an dieser Studie teilzunehmen. Voraussetzung ist eine Therapie mit einem der oben genannten TNF-α-Hemmstoffen zu irgendeinem Zeitpunkt während der Schwangerschaft. Das besondere Augenmerk gilt einer Behandlung nach der 20. Schwangerschaftswoche. Für die Teilnahme ist es nur nötig, sich das gelbe Kindervorsorgeheft und den Impfausweis des Kindes bereit zu legen und anschließend einen Fragebogen auszufüllen, der circa 15 Minuten Zeit in Anspruch nimmt. 

Liebe Eltern, wenn Sie sich angesprochen fühlen, dann würden wir uns freuen, wenn Sie uns Ihr schriftliches Einverständnis für die Zusendung des Fragebogens geben würden. Wir rufen Sie dann an, um das weitere Vorgehen mit Ihnen zu besprechen. 

Die Studie erhält finanzielle Unterstützung vom Bundesministerium für Gesundheit und vom Bundesinstitut für Arzneimittel (BfArM). Sie erhielt ein positives Ethikvotum und ist im deutschen Register klinischer Studien unter der Nr. DRKS00005036 registriert und im European Network of Centres for Pharmacoepidemiology and Pharmacovigilance (ENCePP) unter dem Titel "The safety of anti-tumor necrosis factor-α (TNF-α)-agents in pregnancy. An observational prospective multicenter study".

Wenn Sie mehr über diese Studie erfahren wollen oder Fragen haben, können Sie auch gerne direkt mit der Studienverantwortlichen Kontakt aufnehmen: